Ostsee-Zeitung und Energieberatung MV optimieren Druckprozess im laufenden Betrieb

Preisträger der Kategorie Energieeffizienz: von clever bis digital, für die energetische Optimierung des Druckprozesses im laufenden Betrieb.

Die Ostsee-Zeitung GmbH & Co. KG, ist Teil der Madsack Mediengruppe und publiziert die gleichnamige regionale Tageszeitung in MecklenburgVorpommern. In der Verlagsdruckerei gaben Anfang 2017 technische Probleme am Kaltwasserkreis der Druckmaschine Anlass, den gesamten Kühlprozess detailliert zu betrachten. Dabei setzte die Ostsee-Zeitung auf externe Unterstützung durch die Energieberatung MV. Das Ingenieurbüro, spezialisiert auf physikalische Verfahrenstechnik, hatte bereits in der Vergangenheit erfolgreich Maßnahmen zur systematischen Optimierung und Wärmeträgerumstellung im Verlag umgesetzt.

Die Analyse der thermischen und elektrischen Lastmessungen kam zum Ergebnis, dass eine deutliche Überdimensionierung des Kühlprozesses vorlag, wodurch die Anlage weder bedarfsgerecht, noch energetisch sinnvoll betrieben werden konnte. Dabei reifte die Erkenntnis, dass der vorhandene Vorlaufdruck sowie der Wasservolumenstrom gar nicht notwendig waren. Die erforderlichen Kaltwasserparameter, die mit ca. 22 °C relativ hoch sind, wiesen zudem ein erhebliches Potenzial zur Anwendung einer „freien Kühlung“ auf. Daraufhin wurde der Kühlprozess Der Druckmaschine so umgestaltet und optimiert, dass eine freie Kühlung nachgerüstet werden konnte. Dazu wurden ein neuer, außenstehender Rückkühler und ein Wasser-Glykol-Kreislauf, über einen Platten-Wärmeübertrager mit dem Wasserkreislauf der vorhandenen Prozesskühlung verbunden.

Der neue Kühlkreislauf, aus freier und mechanischer Kälte bestehend, ist so eingebunden und geregelt, dass die Druckmaschine mit minimalem elektrischen Aufwand für Lüfter und Pumpen gekühlt wird – bei gleichzeitig gesteigerter Prozesssicherheit. Durch die Anpassung der Arbeitstemperatur des Kühlwassers auf ca. 23 °C kann die freie Kühlung bis zu einer Außentemperatur von etwa 19 °C die gesamte Kühlung übernehmen.
Die freie Kühlung wird rund 7.500 Betriebsstunden pro Jahr genutzt. Überschreitet die Außentemperatur einen festgelegten Wert (Kühlgrenze) wird die freie Kühlung deaktiviert. Dann erfolgt die Kühlung in Kombination aus freier Kühlung und einer mechanischen Kälteanlage.
Der Erfolg der Maßnahme wurde über das System der Gebäudeleittechnik nachgewiesen. So spart die Ostsee-Zeitung jährlich 105.000 kWh Strom und 59 Tonnen CO2 ein.

Gewinner des Energy Efficiency Award 2019 in der Kategorie Energieeffizienz – von clever bis digital sind die Ostsee-Zeitung GmbH & Co. KG und die Energieberatung MV/Ingenieurbüro für physikalische Verfahrenstechnik. Das Beispiel der Ostsee-Zeitung zeigt, wie sich die Einbindung einer professionellen Energieberatung auszahlen kann. Insbesondere für Unternehmen mit jährlichen Energiekosten im fünfstelligen Bereich oder höher lohnt es sich, externes Know-how einzubinden. So konnte in dem Projekt die ineffiziente Auslegung und Betriebsweise der Kälteerzeugung erkannt und behoben werden. Durch die Ergänzung der bestehenden Kälteerzeugung mit einer energieeffizienten freien Kühlung und eine Anpassung der Prozess - parameter werden heute signifikant Energiekosten einspart. Die umgesetzten Maßnahmen sind exemplarisch und können auf viele andere Unternehmen und Prozesse mit entsprechendem Kältebedarf übertragen werden.